Mit Maria Jansen bekommt Schwaz im Herbst des Jahres eine neue Stadtschreiberin. Die 38-jährige, in Berlin lebende Autorin wurde in Petrosawodsk, Russisch-Karelien geboren und migrierte im Alter von acht Jahren mit Eltern, Großeltern und Bruder nach Deutschland. Sie studierte Germanistik und Philosophie in Düsseldorf und Innsbruck (MA) sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Bisher veröffentlichte Jansen einen Roman und einen Erzählband und erhielt einige Preise und Stipendien. In den zwei Monaten in Schwaz möchte sie an ihrem zweiten Roman mit dem Arbeitstitel „Ohne Frieda“ arbeiten. Mit einem Auszug daraus hat sie sich erfolgreich um das Stipendium „Schwazer Stadtschreiber:in“ beworben, das heuer zum 38. Mal seit 1995 vergeben wird.
„Ohne Frieda“ spielt an drei Tagen: den letzten beiden Lebenstagen einer Frau im Hospiz und den ersten Tag nach ihrem Tod. Äußerst einfühlsam, aber ohne jedes Pathos übersetzt Jansen Verlust, Nähe und Identität, Schuldgefühle und Erinnerung in eine Sprache von enormer Intensität, die sich auch durch wunderbare Dialoge und – bei aller Tragik der Ereignisse – humorvolle Passagen auszeichnet. Im Zentrum steht die Ich-Erzählerin, die beste Freundin und Lebenspartnerin der Sterbenden. Die Erzählung kreist um eine intensive Freundschaft, die sich im Angesicht des Sterbens verdichtet und zugleich Risse freilegt. Dabei geht es weniger um das Ereignis des Todes als um die Verschiebung von Sprache und Wahrnehmung, die er auslöst: Was wird sagbar, was entzieht sich, und was bleibt als Leerstelle bestehen? Die Übergänge zwischen Gegenwart und Erinnerung, die Verschränkung von äußerem Geschehen und innerem Monolog, die Spannung zwischen äußerer Klarheit und innerer Brüchigkeit kennzeichnen die innere Dramaturgie der geschilderten drei Tage. – Ein berührender, nachdenklich stimmender Text von einer Autorin mit enormem literarischem Potential!
