wer ist denn schon?

dienstag, 23.10.2018

wer ist denn schon bei sich, wer ist denn schon zu hause, und dass ich mein geliebtes elfriede-gerstl-buch zuhause liegen habe lassen, denke ich, in eben diesem genannten zuhause, und dass das ein wenig schade ist, so ein gedankensplitter auf dem gang, der jetzt vor mir liegt, klein gekachelt, eine leicht unebene fläche im dämmrigen, das muster erst im lichtschein zu erkennen, das leise klicken des schalters, meine hand noch ein schemen, darunter die einzelnen waben, die sich ineinander fügen, in ihrer summe stille schnittfläche eines bienenstocks, hier im dritten stock auf dem weg zu meiner behausung, dieser kleinen wohnung im franziskanerheim, vor der kapelle links, mit dem großen portal, am ende des gangs, meist leicht geöffnet, daraus das gefälle eines lichtstrahls,

wer ist denn schon zu hause bei sich, hier in dieser kapelle, ruhig ist es im hellen raum, das bunt der gläser dämpft das licht, auch die kontur der pflanzen, zimmerpflanzen, dunkelgrün, stumme posten am linken rand des raumes, das verharren, das eigene, in meinem rücken der hölzerne franziskus, größer als ich, in leicht gebeugter haltung, eine schöne neigung im tag, als ob er sich einem zuwenden würde, und ich stelle mich neben ihn, seine füße auf meiner hüfthöhe, das barfüßige eine harte kontur, dahinter der kleine behälter, ein helles weiß, der aufdruck blau, ein wenig verblichen, Lourdes darauf geschrieben,

wer ist denn schon bei sich, wenn er zu haus bei sich ist, hier im alten kloster, die alten zellen noch in den wänden, rahmen für nichts vorgesehenes, man könnte hineinmalen, hineinschreiben, einen gedanken hineinsetzen oder einfach auch nichts, so wie es jetzt der fall ist, und so wechseln sich im zweiten, dritten und vierten stock, ehemalige tür und neue tür ab, vielleicht 45 wohnungen, 45 leute, die eine lange geschichte haben, verwoben mit der stadt, mal mehr, mal weniger offensichtlicher, etwas verborgenes vielleicht, leute, die mit mir aufzug fahren, das griasdi und ein direkter blick verbindend, und die neugier, was ich hier machen würde, in diesem aufzug, im gang und wo meine wohnung sei, das zu haus, und stadtschreiberin aha, das sei ja eine feine sache, und meine freude darüber, dass so viele richtig zuhören, auch wenn sie schon soviel eigene geschichte mit sich tragen, und immer wieder wissen wollen, worüber ich schreibe und wer ich denn eigentlich sei,

wer denn.