Montag, 30.03.2020
Norbert Gstrein: Als ich jung war
Gespräch: Martin Sexl
20 Uhr Museum der Völker Schwaz

Norbert Gstrein
Foto: Literaturforum Schwaz

Norbert Gstrein liest aus seinem neuen  Roman Als ich jung war (Hanser 2019).

Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in Hamburg. Er wurde unter anderem mit dem Alfred-Döblin-Preis, dem Uwe-Johnson-Preis und dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen von ihm die Romane Die Winter im Süden (2008), Die englischen Jahre (Neuausgabe 2008), Das Handwerk des Tötens (Neuausgabe 2010), Die ganze Wahrheit (2010), Eine Ahnung vom Anfang (2013), Die kommenden Jahre (2018) und Als ich jung war (2019).

Univ.-Prof. Dr. Martin Sexl, geb. 1966 in Hall in Tirol, ist seit 2011 Universitätsprofessor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Vorstand des Instituts für Sprachen und Literaturen an der Universität Innsbruck.

Norbert Gstrein geht in seinem Roman Als ich jung war der Frage nach, wie viel ein Mensch über die eigenen Abgründe wissen kann.

Im Zentrum des Geschehens steht ein Ich-Erzähler namens Franz. Der wächst bei seinen Eltern im hintersten Tirol auf, wo sie einen Gastbetrieb führen. Franz betätigt sich als Hochzeitsfotograf, der die Paare „am schönsten Tag ihres Lebens“ fotografiert, bis bei einer Hochzeitsfeier die Braut ums Leben kommt.  Was hat das mit ihm zu tun? Was damit, dass er nur Wochen zuvor am selben Ort ein Mädchen geküsst hat? Vor diesen Fragen flieht er bis nach Amerika. Doch dann stirbt auch dort ein Freund, dem er das Schifahren beigebracht hat. Der Roman wirft viele Fragen auf: Was wissen wir von den anderen? Was von uns selbst? Hungrig nach Leben und sehnsüchtig nach Glück findet sich Franz in Norbert Gstreins Roman auf Wegen, bei denen alle Gewissheiten fraglich werden.

 „Norbert Gstrein ist ein Meister des ‚zwielichtigen‘ Erzählens. Er setzt Zeichen um Zeichen. Man folgt seinem Konstrukt und seinem bewundernswert klaren Satzbau mit Spannung.“ (Aus der Jurybegründung zur Verleihung des Österreichischen Buchpreises 2019) „Als ich jung war“, so schreibt Franz gleich zu Beginn, „glaubte ich an fast alles, und später an fast gar nichts mehr, und irgendwann in dieser Zeit dürfte mir der Glaube, dürfte mir das Glauben abhandengekommen sein.“ Der Text, den wir vor uns haben, ist der Versuch einer Selbstrettung durch die Neuverfassung einer verfehlten Biografie. Dass es dabei keine Sicherheiten gibt, versteht sich von selbst. Norbert Gstrein bei diesem Projekt, das ein Lebensprojekt ist, lesend zu begleiten ist ein düsteres Vergnügen. (Christoph Schröder in: Die Zeit Nr. 32/2019)