am mondscheinplatz

mittwoch, 31.10.2018

 

Leider ist nicht alles Mond, was Silber ist, aber silbern, silbrig ist hier eigentlich alles in der stadt, zumindest auf den ersten blick, glänzt die oberfläche, der wasserspiegel, die bergspitzen glänzen oder wie man das nennen mag, je nachdem wie der nebel liegt, dein sichtfeld teilt, oben und unten für eine kurze oder längere weile auseinander reißt, aus einem wolkenband etwas blickdichtes macht, so als ob man aus dem berg, aus seinem aufgewaldeten körper etwas herausnehmen, dem lauf der dinge ein schnippchen schlagen, durch den berg hindurchsehen könnte, ins weiße, ins verwolkte, und die ahnung vom dahinter zu vergessen, bis sowieso dunkles fällt

und aus allem einen ebene macht, so ein eigentümliches gefühl, auch in dir selbst, und da nützt auch die sonnseite nichts, dort wird’s genauso dunkel, zumindest von meinem fenster aus, wo jetzt der tag ausfranst, seinen rand verliert, und fast überseh ich das schild vom platz, an dem ich vorbeigehe, dem mondscheinplatz, und denke erst, dass das ein scherz ist, und was das für eine stadt ist, in der nicht nur alles silbern ist, sondern die eine sonnseite hat, eine freiheitssiedlung (noch so ein bruch) und für mich jetzt auch einen mondscheinplatz,

und bei hans aschenwald lese ich heute in seinem gedicht »von einem in den andern gleich am anfang von abgeernteten sätzen und abgewetzter haut, und streiche mit der hand die mauer entlang, versuche so in kerben, in mulden zu dringen, schließe die augen, denke, dass das tal und der berg vielleicht manchmal tauschen, wenn du nicht genau hinsiehst, und dass die wandlandschaft eine berglandschaft auch ist, und meine hand eine eigene sprache, ohne adressat, und dass das auch einmal gut ist, und dass es ganz schön tief in die mauer, in so ein haus hineingehen kann,

und dass hineingehen gar nicht so einfach ist, hier am mondscheinplatz, wo jemand eine sichel auf oder in die seitliche tür geschmiedet hat, die gar nicht so auffällig ist, und ihren sinn erst mit dem platznamen bekommt, der seinen sinn wahrscheinlich von dem haus, dem alten mondschein-gasthof bekommen hat, und wahrscheinlich doch silbern ist, und dass ich zu gerne hineingehen würde in dieses haus, in dem noch ein schales licht brennt, vielleicht leute am tisch sitzen, und das aber nur zu erahnen ist, all das denke ich, ein mondscheintreffen ganz nach hans arpscher art, und dass die zeit dafür bestimmt noch kommt, denn

 

Ein großes Mondtreffen ist anberaumt worden.
Monde und alles, was mit dem Mond zu tun hat,
werden sich da einstellen.

(Hans Arp)